Benzin im Öl, weißer Qualm, Absaufen




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Benzin im Öl, weißer Qualm, Absaufen

Beitragvon Balver » Di 5. Mai 2020, 23:27

Und schon gehen die Motorprobleme los...

Hallo zusammen. Ich heiße Sven und komme aus dem Sauerland.
Ich hoffe hier Unterstützung zu finden.

Seit gestern ist meine Freundin stolze Besitzerin einer GT 650.
Da sie nicht sooo viel Geld zur Verfügung hat, kam nur eine in Frage, an der man was tun muss.
Soweit so gut. Sie wollte das Motorrad haben. Mich haben hingegen die schlechten Berichte über Hyosung abgeschreckt.

Gestern Abend war es dann so weit. Eine GT 650 wurde gekauft. Motor sprang an. Soweit funktionierte auch alles, außer die Hinterradbremse.
Der Geberzylinder war fest. Heute Morgen alles Gangbar gemacht.

Heute kamen aber die richtigen Probleme.
Kurz in Reihenfolge :

Motor springt mit Choke an.
Motor verreckt nach einer Weile und geht aus.
Motor startet nicht mehr und Teilweise schaffte es der Anlasser nicht über die Kompression.
Nach einiger Zeit sprang sie wieder kurz an, starker weißer Qualm aus dem Auspuff, der aber nach einer Minute wieder aufhörte.
Dann ein Blick auf das Ölschauglas.
Ölstand war weit über Maximal.

Meine erste Vermutung, der Vorbesitzer hat zu viel Öl eingefüllt. Man rechnet ja nicht damit, sich hat übers Ohr hauen zu lassen.
Also Ölwanne drunter und Öl bis mitte Schauglas abgelassen. Erschrecken war dann der fast eine Liter.
Dabei fiel mir ein starker Benzingeruch im Öl auf und das Öl war extrem flüssig und kaum schmierig.

Auf weitere Startversuche habe ich dann verzichtet.
Kennt jemand das Problem?
Wieso gelangt so viel Benzin ins Öl?
Abgesoffen und Zylinder vollgelaufen und dann an den Kolbenringen vorbei?
Ist das bei der GT 650 bekannt?
Wie schaffe ich Abhilfe?
Vergaser, Benzinhan, Kobenringe, Kerzen... was kann es sein?

Danke schonmal fürs lesen, bis hier her.
Wenn ihr mich nun noch an euren Erfahrungen teilhaben lasst, schaffe ich es vielleicht, meine Freundin aus dem Tal der Tränen zu holen.
Balver
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Re: Benzin im Öl, weißer Qualm, Absaufen

Beitragvon flydown » Mi 6. Mai 2020, 08:41

Hallo,
und erstmal Willkommen.

So also, wenn ihr mit den Startversuchen den Motor nicht noch mechanisch beschädigt habt, besteht Hoffnung, würde ich sagen.
Es handelt sich um ein Vergasermodell, nehme mich an.
Da ist es sowas von gut möglich, daß Benzin aus den Vergasern, in den Zylinderkopf, am geöffneten Einlaßventil vorbei in den Brennraum läuft, wenn das Schwimmernadelventil nicht schließt. Und da Benzin kaum Oberflächenspannung hat, kommt es auch ganz prima an den Kolbenringen vorbei in das Kurbelgehäuse, also Motoröl. Das ist gar nicht mal ein hyosungtypisches Problem, Schwimmernadelventile haben alle Vergaser.
Ich würde also die Vergaser ausbauen und kontrollieren. Vielleicht müssen die nur gereinigt werden, vielleicht kann man gleich etwas erneuern. Möglicherweise ist ein Ventil in Benzinschmodder verklebt, vielleicht macht man besser beide Ventile neu.
Ansonsten, natürlich, Öl mit Filter wechseln. Vielleicht das Motorrad eine Nacht mit möglichst offenem Motor, also ohne Einfüll- und Ablaßschraube, Zündkerzen und Ölfilter, stehen lassen, damit noch etwas Benzin verdampfen kann. Aber das tut's dann auch, wenn der Motor läuft. Wahrscheinlich ist gar nichts weiter passiert.

Was für ein Benzinhahn ist denn dran? Der mechanische, zum selbstaufmachen? Meiner Erfahrung nach stimmt mit dem was nicht, wenn der tatsächlich schließt. Kleiner übertriebener Scherz.
Auch den kann man mal aufmachen und reingucken. Da ist ein O-Ring drin, und wenn der sich verformt hat, verhärtet oder rissig ist, kann der Hahn nicht zumachen.
Ist ein Unterdruckhahn verbaut, hm tja, ich würde nachsehen, was der macht und wie er innen aussieht.

Viel Erfolg
Uwe
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Re: Benzin im Öl, weißer Qualm, Absaufen

Beitragvon Balver » Mi 6. Mai 2020, 10:48

Hallo Uwe und vielen Dank für die Antwort.
Ich würde heute gerne mit dem Endoskop in die Brennräume schauen, in der Hoffnung nichts übles vorzufinden. Welche Schlüsselweite haben die Zündkerzen? Die sind ja so tief versenkt das ich es nicht sehen kann. Mein 18er Kerzenschlüssel scheint nicht zu passen.
Sie hat ja kurzzeitig gelaufen und ist nach einiger Zeit wieder abgestorben. Ein gutes Gefühl habe ich grad nicht.
Wie überprüfe ich den Vergaser am besten?

Das Öl war schon wirklich extrem flüssig, und bis ich Mitte Schauglas erreicht habe, hatte ich locker 1Liter abgelassen. Demnach muss da eine Menge Benzin durchgekommen sein.
Also einen Benzinhahn mit Hebel habe ich nicht. Der ist Unterdruckgesteuert.
Theoretisch dürfte dann im Stillstand kein Benzin fließen. Das habe ich noch nicht überprüft.

Mich wunfert auch die extreme weiße Rauchentwicklung, die beim Startversuch entstand. Gestern Morgen konnte ich sie normal starten. Nachmittags dann die Rauchentwicklung. Motor abgestorben. Neustart, keine Rauchentwicklung.
Sowas habe ich noch nie gesehen.
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Re: Benzin im Öl, weißer Qualm, Absaufen

Beitragvon redflash » Mi 6. Mai 2020, 20:40

Hinten links unten am Tank sitzt der (unterdruckgesteuerte) Benzinhahn.

Den Schlauch zum Benzinfilter einfach mal abziehen , dann dürfte da keine größere Menge Benzin auslaufen , wenn doch ist der Benzinhahn undicht.


Olli
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Re: Benzin im Öl, weißer Qualm, Absaufen

Beitragvon Balver » Mi 6. Mai 2020, 23:21

So. Kurzes Update.
Habe zunächst mit dem Endoskop in den Brennraum geschaut. Sah noch passabel aus. Die Kolben waren aber sehr dunkel, fast schwarz. Auf den Kolben sind Vertiefungen zu sehen. Ich hoffe das sind werkseitige Freimachungen für die Ventile.
Anschließend die Kerzen geprüft. Zündfunke da, jedoch nur schwach. Die vordere Kerze war halbseitig ganz schön rostig...selbst die Dichtscheibe an Motorseitig.
Also Tank runter und Benzinhahn geprüft.
Restbenzin aus dem Filter lief noch aus, dann kam nichts mehr.
Dann den Luftfilter raus. Der sah schon nass aus.
Im Liftfilterkasten war der komplette Boden erschreckenderweise voll Benzin.
Also Luftfilterkasten ab, ausgeschüttet und gereinigt. Knapp eine Kaffeetasse kam zusammen.
Vergaser abgebaut und Membrane überprüft. Die Nadel vom hinteren Zylinder war etwas rauh.
In WD40 eingelegt und anschließend gereinigt.
Anschließend waren die Schwimmerkammern dran. Die Nadeln sahen gut und sauber aus, alles war leichtgängig.
Trotzdem gründlich gereinig.
Die vordere Verbindungsmuffe zwischen Vergaser und Motor war stark Porös, die hintere hatte über den halben Radius am Übergang zum Motorflansch einen durchgehenden Riss. Ob schon durch, konnte ich nicht erkennen. Also beide ausgetauscht.
Dann Öl abgelassen. 4,7 Liter dünnste nach Benzin stinkende Plörre.
Ich habe dann alles wieder zusammengesetzt, inklusive neuer Kerzen und Ölfilter.
Leider konnte ich kein Öl auftreiben, daher steht sie jetzt leer bis morgen. Vielleicht auch nicht falsch, damit sich der letzte Rest Öl/Sprit Mix noch ablaufen kann.
Ich hoffe so sehr das es entweder Kerzen, oder Undichtigkeiten am Flansch und damit ein Gemischproblem war... Ehrlich gesagt habe ich viele verrückte Dinge gefunden, die ich an älteren Motorrädern anderer Hersteller nicht in so miesen Zustand gesehen habe. Glaube auch nicht das es mangelnde Pflege, sondern billigste Materialauswahl von Hyosung war.

Eine Frage habe ich jedoch. Der Spritschlauch hinterm Filter geht an eine Pumpe, oder sowas...blöderweise habe ich meine Markierung weggewischt. Kommt der Schlauch an den vorderen, oder hinteren Anschluss?

Danke schonmal fürs lesen.
Mich würden jetzt eure Einschätzungen interessieren.

Gruß, Sven
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Re: Benzin im Öl, weißer Qualm, Absaufen

Beitragvon flydown » Do 7. Mai 2020, 06:51

Hey,
also ich konnte mich über die Materialauswahl nicht beschweren. An meiner 125er habe ich nur gute
Markenware gefunden.
Na jedenfalls habe ich bei deiner Beschreibung nichts gefunden, was mir den Kopf zerbrechen würde und unnormal scheint, der vorherigen Beschreibung nach.
Was mir Bedenken macht, ist der beschriebene weiße Qualm. Kommt ja normalerweise von verbrennendem Kühlwasser. Aber nicht reproduzierbar? Also mache soweit erstmal alles in Ordnung. Wer weiß, was da wo warum reindrückt.
Wenn die so nach dem starten erstmal weiß qualmt, kann das auch einfach Kondenswasser sein.
Die Verbindungsmuffen nachgucken, die dürfen nicht undicht sein.
Und immer daran denken, Probefahrten nie weiter weg, als man das Motorrad wieder zurückschieben kann.

Viele Grüße
Uwe
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Re: Benzin im Öl, weißer Qualm, Absaufen

Beitragvon Balver » Do 7. Mai 2020, 23:49

Hi. Heute Öl gewechselt und sie ist direkt angesprungen. Hat aber weiß gequalmt wie eine Lokomotive. Denke mal, es waren unverbrannte Rückstände. Habe sie eine Stunde laufen lassen. Dann lief sie ohne Rauchenwicklung. Jetzt werde ich mal einige Tage beobachten ob der Ölstand zunimmt. Sonst müssen wohl neue Nadelventile rein. Schwimmer sind leichtgängig und dicht.
Vielleicht habe ich Glück.
Nur aus dem Schalldämpfer kommt ein Klingeln. Da der Motor ruhig läuft, hoffe ich, es ist der Schalldämpfer der dieses Geräusch erzeugt.

Leider hat meine Freundin nach ein paar Runden die Maschine auf die Seite gelegt. Im Stand, beim Rangieren. Aber so ungünstig das der Fußrastenträger und Schalthebel gebrochen ist. Also war das Training nach 30min beendet und ich muss jetzt erstmal nach Ersatz suchen.
Nächste Woche werden die Abgaswerte geprüft, wenn die Okay sind führe ich sie dem TÜV vor, um zu sehen was noch zu machen ist. Hoffe es geht gut und bleibt bei neuen Reifen.
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Re: Benzin im Öl, weißer Qualm, Absaufen

Beitragvon flydown » Fr 8. Mai 2020, 08:47

Hi,
naja, ist ja schonmal ein Anfang. Wenn das Motorrad dann warm gut Gas an- und wegnimmt, sollte auch das Abgas reichen.
Bei meiner 125er war auch mal ein Nadelventil undicht. Das konnte man so beim kontrollieren nicht merken, aber bevor ich die morgens starten konnte, mußte vom vorderen Zylinder erst die Zündkerze raus, per Anlasser das Benzin rausdrücken lassen, das spritzte ordentlich, dann sprang sie auch sauber an und lief gut. nach der Arbeit dann die gleiche Prozedur.

Viele Grüße
Uwe
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